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Ansprechpartner

Doris Schirra, M.A.

Tel.: 0271/740-4231

schirra@ub.uni-siegen.de

 

Uwe Kölsch

Tel.: 0271/740-4263

oa@ub.uni-siegen.de

Unethische Geschäftspraktiken

Allgemeines

Unter Open-Access-Zeitschriften, die als Finanzierungsmodell ein author-pays-Modell anwenden, gibt es mittlerweile auch unseriöse Zeitschriften, sog. pseudowissenschaftliche Zeitschriften, deren verlegerische Leistung den wissenschaftlichen Standards nicht Genüge leistet. Pseudowissenschaftliche Verlage, die solche Zeitschriften herausgeben, haben aus der Kombination folgender Gegebenheiten im Wissenschafts- und Publikationssystem ein unlauteres Geschäftsmodell entwickelt, das darauf fußt, dass:

  • wissenschaftliche Forschungsergebnisse schnell veröffentlicht werden müssen.
  • die Ablehnungsquoten in renommierten Zeitschriften bei hohen Publikationszahlen steigen.
  • der Peer-Review-Prozess i.d.R. intransparent ist und damit u. U. auch einen unzureichenden oder ausbleibenden Qualitätssicherungsprozess ermöglicht.
  •  wissenschaftliche Autorinnen und Autoren oder ihre Institutionen beim author-pays-Modell selbst für die Zahlung zuständig sind.

Wahrheitssuche, Integrität und wissenschaftliche Relevanz der Veröffentlichung spielen für pseudowissenschaftliche Verlage keine Rolle, sondern allein die Gewinnerzielung.

Mit dem Ziel der Gewinnerzielung passen pseudowissenschaftliche Verlage ihre Geschäftsmodelle den Disziplinenspezifika in der Wissenschaft an: für Fächer, in denen das wissenschaftliche Kommunikationsmittel  Konferenzen sind, bieten sie anstelle von pseudowissenschaftlichen Zeitschriften pseudowissenschaftliche Konferenzen oder sog. Scheinkonferenzen an, bei denen jede/r gegen Bezahlung einer Registrierungsgebühr teilnehmen oder ungeprüft einen Vortrag halten kann.

Die Beurteilung, welche Open-Access-Zeitschriften oder Konferenzen seriös sind und hinter welchen sich eine unethische Geschäftspraxis verbirgt, ist auch gerade vor dem Hintergrund einer stetig steigenden Zahl wissenschaftlicher Fachzeitschriften und Konferenzen, für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf den ersten Blick nicht immer einfach.

Pseudowissenschaftliche Zeitschriften und Scheinkonferenzen - Was ist damit gemeint?

In Pseudowissenschaftlichen Zeitschriften oder auch Predatory Journals, Raubzeitschriften oder Fake-Journals wird unter dem Vorwand des Open Access ein unlauteres Geschäftsmodell mit betrügerischen Absichten betrieben, bei dem die von der Autorin / vom Autor erhofften und bezahlten verlegerischen Leistungen, wie Auswahl, Redaktion, Peer Review, Nachweis und Archivierung nur unzureichend oder gar nicht erfolgen. Die Anbieter solcher Zeitschriften treten offensiv und ungefragt an potenzielle Autorinnen und Autoren heran und versprechen gegen Zahlung einer Gebühr einen schnellen Publikationsprozess.

Weitere Merkmale in Auswahl:

  • Name und Online-Layout sind jenen renommierter Zeitschriften oft zum Verwechseln ähnlich.
  • Verweis auf eine gefakte etablierte Online-Plattform, über die bereits viele zu Teilen gefälschte und plagiierte Artikel nachgewiesen werden
  • Werbung mit einem gefälschten hohen Impact Faktor der Zeitschrift
  •  Werbung mit einer gefälschten ISSN der Zeitschrift
  • Werbung mit Peers, Mitgliedern des Editorial Boards und Herausgerbern, die entweder nicht existieren oder sich nie bereit erklärt haben, als solche für die Zeitschrift zu fungieren

Bei pseudowissenschaftlichen Konferenzen oder auch Schein- und Fake-Konferenzen werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Vortäuschung einer auf den ersten Blick seriös wirkenden Online-Beschreibung sowie gegen Zahlung einer teilweise recht hohen  Registrierungsgebühr zu einer vorgeblichen Fachkonferenz eingeladen. Die Anbieter treten auch hierbei offensiv, ungefragt sowie mit ungewöhnlichen Begrüßungsformeln und auffällig schmeichelnden Worten im E-Mail-Anschreiben an potenzielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer heran. In der Regel wird mit einem Beirat oder einem Board namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geworben, die entweder nicht existieren oder sich nie für eine Mitarbeit bereit erklärt haben.  Die Konferenz findet für gewöhnlich nicht oder nur mit wenigen Teilnehmenden und ohne professionelles Programm statt.

Pseudowissenschaftliche Zeitschriften und Scheinkonferenzen - Was ist daran problematisch?

  •  Ein fehlendes Peer Review führt zur Veröffentlichung nicht fachlich geprüfter Ergebnisse.
  • Eine ausbleibende dauerhafte Archivierung über Verlagsverbünde und Bibliotheken kann zum plötzlichen Verschwinden der Publikation führen, wenn der Anbieter die Veröffentlichungsplattform einstellt.
  • Ein Ausbleiben eines Nachweises in Bibliothekskatalogen und fachlichen Zitationsdatenbanken führt zu einer mangelnden Auffindbarkeit und damit zu einer geringen Zitation der Publikation.
  • Die Reputation der Wissenschaftlerin / des Wissenschaftlers, aber auch die der Institution und die der Wissenschaft als Ganzes  können dadurch Schaden nehmen. Das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit wird geschwächt.
  • Wertvolle Ressourcen werden verschwendet. 

Wege zur Sicherstellung der Qualität von Publikationen und Konferenzinhalten Prüffaktoren für Fachzeitschriften

Zur Beurteilung, ob Sie es bei der Wahl einer Fachzeitschrift mit einer seriösen Open-Access-Zeitschrift oder einer pseudowissenschaftlichen Zeitschrift zu tun haben, gibt es eine Reihe von Prüffaktoren, die im Folgenden aufgelistet sind und die Sie heranziehen können. Bedenken Sie dabei jedoch, keinen der Faktoren isoliert zu betrachten.

  • Prüfen Sie, ob die Zeitschrift in anerkannten Datenbanken für Ihre wissenschaftliche Disziplin gelistet ist.
  • Prüfen Sie, ob die Zeitschrift im "Journal Citation Reports" oder in anderen etablierten Metriken ausgewertet ist.
  • Seien Sie achtsam, wenn der Verlag sich auf ein sehr weites Themenspektrum konzentriert.
  • Prüfen Sie, ob die Website professionell aussieht. Achten Sie dabei aber auf kulturelle Unterschiede.
  • Prüfen Sie, ob die Mitglieder des Editorial Boards und der Editor in Chief anerkannte Experten in Ihrem Fachgebiet sind und überprüfen Sie ihre Webpräsenz.
  • Prüfen Sie die Absenderadresse von E-Mails. Die Publikationsorganisation wird im Präfix der E-Mailadresse pseudowissenschaftlicher Verlage nicht genannt.
  • Prüfen Sie, ob anfallende Kosten vor der Veröffentlichung klar erläutert werden, leicht zugänglich sind. Werden Sie bei "versteckten" Gebühren während des Veröffentlichungsprozesses skeptisch.
  •  Prüfen Sie, ob in bereits publizierten Publikationen der Fachzeitschrift Rechtschreib- oder Grammatikfehler vorliegen, die auf einen Mangel an Peer Review hindeuten.
  • Prüfen Sie, welche Rechte Sie als Autorin oder Autor der Publikation behalten. Stellen Sie sicher, dass eine Creative-Commons-Lizenz oder eine andere Art von offener Lizenz verwendet wird.
  • Prüfen Sie, ob die zeitlichen Angaben zum Peer Review realistisch sind.

 

Checkliste der Initiative Think!Check!Submit! zur Prüfung von Fachzeitschriften

Die internationale und unter Beteiligung von anerkannten Verlagen mitentwickelte Initiative Think!Check!Submit! unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, vertrauenswürdige Zeitschriften für ihre Forschung zu identifizieren und hilft mit einer Reihe von nützlichen Instrumenten, Integrität zu fördern und Vertrauen in Forschung und Publikationen zu erhalten.

Prüffaktoren für wissenschaftliche Konferenzen

  • Seien Sie achtsam, wenn Sie unmittelbar nach einem öffentlich beworbenen Vortrag auf einer Fachkonferenz ein Angebot von einem Ihnen unbekannten Verlag zur Publikation des Vortrags erhalten.
  • Seien Sie achtsam, wenn Sie unaufgefordert von einem Ihnen unbekannten Verlag um Einreichung eines Konferenzbeitrags gebeten werden.
  • Seien Sie achtsam, wenn sich die Konferenz auf ein sehr weites Themenspektrum konzentriert.
  • Prüfen Sie, ob die Website professionell aussieht. Achten Sie dabei aber auf kulturelle Unterschiede.
  • Prüfen Sie, ob die Mitglieder des Beirats oder des Editorial Boards  anerkannte Experten in Ihrem Fachgebiet sind und überprüfen Sie ihre Webpräsenz.
  • Prüfen Sie die Absenderadresse von E-Mails. Die Publikationsorganisation wird im Präfix der E-Mailadresse pseudowissenschaftlicher Verlage nicht genannt.
  • Prüfen Sie, ob es sich um ungewöhnlich hohe Teilnahmegebühren handelt.
  • Prüfen Sie, ob anfallende Kosten vor der Konferenz klar erläutert werden, leicht zugänglich sind.
  • Werden Sie skeptisch, wenn die Konferenz nur virtuell oder nur im kleinen Kreis stattfindet.

Beratung

Bei Unsicherheit ist es ratsam, Bedenken mit Fachkolleginnen und -kollegen, Mentorinnen und Mentoren oder mit den Open-Access-Beraterinnen und -Beratern Ihrer Universitätsbibliothek zu besprechen.

Sprechen Sie uns an, wir sind gerne für Sie da.

 

Empfehlungen und Stellungnahmen zum Thema pseudowissenschaftliche Fachzeitschriften und Konferenzen

 Leitsätze für gute wissenschaftliche Publikationspraxis

Die drei Nationalen Akademien der  Wissenschaften die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die französische Académie des Sciences  und die britische Royal Society  haben im Dezember 2016 gemeinsame Leitsätze für gute wissenschaftliche Publikationspraxis veröffentlicht, die an vier Kriterien orientiert sind: „wissenschaftliche Informationen sollen effizient und hochwertig verbreitet, Interessenkonflikte vermieden, die Artikel fair geprüft und Auswahl und Redaktion durch anerkannte Wissenschaftler verantwortet werden.“. Mehr

Stellungnahme des Senats der Hochschulrektorenkonferenz

Der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat im Oktober 2018 Stellung zu Veröffentlichungen in pseudowissenschaftlichen Zeitschriften genommen. Mehr

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