1998-09-09

Gemälde von Boris Buryak

Informationsseite zur Ausstellung in der UB Siegen, 2. - 30. September 1998

Von Dr. Rudolf Heinrich


Boris Buryak wurde am 25. 10. 1953 in einem Dorf nahe Chernivtsi (Cernowitz), der Hauptstadt der Bukowina im Südwesten der Ukraine geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Akademie der Künste in Lwiw (Lemberg), der Hauptstadt des früheren Galizien. In Lwiw leitet er heute auch eine private Schule für Zeichnung und Malerei.

Selbstporträt (1988)

          

Seit 1991 ist Boris Buryaks Schaffen im Westen durch eine Reihe von Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen - z. B. in New York und Wien - bekannt geworden, außerdem wurden ihm diverse Preise zuerkannt, darunter 1991 der Preis des Künstlerverbands der Ukraine und 1992 ein Stipendium des Internationalen Wettbewerbs "Neue Namen" in Moskau.

Das Werk Buryaks ist von tiefer Ernsthaftigkeit geprägt und auf vielfältige Weise psychologisch fundiert. Seine Verwurzelung in der ukrainischen Geschichte und die Einflüsse der byzantinischen (Ikonen-)Malerei sind unübersehbar. Der Betrachter seiner Bilder spürt schon an der Auswahl und Anordnung der Motive ebenso wie an der Intensität und Dichte der Farben, daß es diesem Künstler um größtmöglichen Ausdruck geht. Sein Stil hält sich von plattem Realismus ebenso fern wie von blutleerer Abstraktion. Der Zug ins Monumentale, der seinem Schaffen eignet, zeigt sich z. B. darin, daß auch die kleinerformatigen Bilder ihre Wirkung erst in einem gewissen Abstand vom Betrachter entfalten. Da Buryak sich jedem Rummel entzieht und keiner der gängigen Stilrichtungen zuzurechnen ist, gilt er im gegenwärtigen ukrainischen Kunstbetrieb trotz aller Anerkennung eher als Außenseiter.

St.-Georgs-Kathedrale in Lwiw (1992)

Als Motive bevorzugt Buryak Ansichten ukrainischer Städte und Dörfer (insbesondere von Lwiw, seinem Lebensmittelpunkt), Blumenstilleben, Naturstimmungen und anonyme - gesichtslose - Personen, die er einzeln oder in Gruppen, im Gespräch oder in Meditation versunken zeigt. Echte Porträts sind selten. Auch immaterielle Inhalte versucht er im Bild zu verdeutlichen, z.B. Seelenzustände wie "Nachdenklichkeit" oder "Verliebtheit". In einigen neueren Arbeiten hat er die traditionsgebundene Technik der Ikonenmalerei auf sehr persönliche Art in unsere Zeit übersetzt.






© Dr. Rudolf Heinrich und Hans Dettweiler, UB Siegen